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Soft Skills: Die ersten 10 Sekunden eines Gesprächs zählen

Soft Skills Die ersten 10 Sekunden eines Gesprächs zählen
Die ersten Sekunden, die wir mit einer uns bis dato unbekannten Person verbringen, sind überaus intensiv, egal ob es sich um ein Bewerbungsgespräch, einen Termin mit einem Immobilienmakler oder um ein Blind Date handelt.

Das Gehirn arbeitet

Ihre Sinne sind bei einem ersten Treffen einer wahren Informationslawine ausgesetzt. Ihr Gehirn wird innerhalb nur weniger Sekunden Hunderte Informationen über die Person gegenüber analysieren. Am Ende steht ein Urteil, das auf Vergleichen mit Ihren bisherigen Erfahrungen basiert.

Das alles läuft mit einer verblüffenden Leichtigkeit ab: Ihr Gehirn trainiert nämlich seit Ihrer Geburt, um eine große Anzahl an Daten möglichst rasch aufzunehmen und zu verarbeiten.

Jegliche Bestandteile der Kommunikation werden analysiert und nach verschiedenen Kriterien klassifiziert:

  • Supraverbal: Die Kleidung einer Person, ihr Schmuck, die Frisur, das Make-up …
  • Infraverbal: Der Geruch, Pheromone …
  • Periverbal: Die Distanz, die die andere Person zu uns aufbaut (potenzielle Quelle eines Unwohlseins, falls die üblichen Abstandsregeln nicht eingehalten werden)
  • Paraverbal: Stimmfarbe, Sprechrhythmus, Pausensetzung
  • Preverbal: Körpersprache, Körperhaltung, Augenzwinkern …

Personaler: ein nützlicher Beobachtungsansatz während des Bewerbungsgesprächs.

Im Rahmen des Möglichen ist es wünschenswert, die non-verbale Kommunikation eines Kandidaten von zwei Personen bewerten zu lassen, da es schlichtweg unmöglich ist, ein Unternehmen und einen Posten zu präsentieren, Fragen zu stellen und obendrein auch noch den Bewerber die ganze Zeit genau zu beobachten.

Nach dem allerersten Eindruck eines Kandidaten, dem Händedruck zur Begrüßung und der Bitte, sich im Konferenzraum kurz zu gedulden, während Sie ihm ein Glas Wasser holen (Wasser sollten Sie systematisch anbieten, da dies nützlich ist, um das Verhalten des Bewerbers zu studieren), bilden Sie sich bereits eine erste, fundierte Meinung zu den Eigenschaften des Interessenten.

Nutzen Sie die Gelegenheit, sich kurz zurückzuziehen und Ihre Gedanken zu ordnen sowie sich mit Ihrem Kollegen über ihre ersten Eindrücke auszutauschen.

Wirkte der Kandidat eher etwas hemdsärmelig, obwohl Sie ihn in einem zuhöchst politischen Kontext einstellen wollen? Trägt er bei einem Bewerbungsgespräch bei Chanel Kleidung von Dior? Hat er sein T-Shirt falsch herum angezogen?

Verschiedene Studien haben überaus Interessantes zu Tage befördert: Vom ersten Eindruck nach wenigen Sekunden über den Eindruck nach 20 Minuten bis zu jenem nach 6 Monaten kommt es kaum noch zu Meinungsänderungen.

 

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Was fangen wir mit diesen Eindrücken an?

Jeder Personaler kennt die Situation: Zwar ist sofort klar, dass ein Kandidat für den Job ungeeignet ist, doch muss das Bewerbungsgespräch noch auf eine höfliche und taktvolle Art geführt und zu Ende gebracht werden.

Sich nach dem Erstkontakt mit dem Bewerber einen Moment zu nehmen und nachzudenken sowie sich mit dem eigenen Kollegen über den ersten Eindruck auszutauschen, dient dazu, eine einvernehmliche Meinung zu bilden.

Indem Sie Ihre Gedanken zur Persönlichkeit, die Ihnen gegenübersteht, kurz setzen lassen, bekommen Sie bereits eine zweite Meinung zu dem Kandidaten: jene Ihres Unterbewusstseins.

Nun machen wir das genaue Gegenteil dessen, wie unser Unterbewusstsein reagiert hat: Wir lassen diesen Eindruck kurz beiseite und nutzen das Bewerbungsgespräch dazu, unsere Annahmen zu bestätigen oder zu widerlegen.

Kam der Bewerber also zum Beispiel am Anfang etwas zu lässig rüber, werden wir seinen Diskurs nutzen, um nach Beweisen für seine Ernsthaftigkeit zu suchen. Wirkte er unhöflich, halten wir nach Hinweisen für respektvolles Verhalten Ausschau.

Das ermöglicht uns zu erkennen, ob der Kandidat nicht doch „mehr wert ist“ als sein erster Eindruck. Wir geben also jenen Bewerbern, die für einen Posten perfekt geeignet sind, eine zweite Chance, auch wenn sie ihre Fähigkeiten nicht sofort zum Ausdruck bringen konnten.

Innerhalb weniger Sekunden haben wir uns bereits ein fundiertes Meinungsbild über einen Bewerber erstellt. 

 

Sich vor kognitiven Verzerrungen schützen

Ohne diese Beobachtungsinstrumente rund um die non-verbale Kommunikation neigen wir dazu, im Vortrag des Kandidaten nach Indizien zu suchen, die unsere Ausgangs-Intuition bestätigen (Intuition Bias).

Doch eben jene „intuitive Verzerrung“ zählt zu den Fallen, die uns unser Gehirn stellt. Sie ist einer der Hauptgründe für falsche Auswahlentscheidungen – und zwar vor allem im Bereich der Führungspositionen

Diese „Technik“, die wir im Laufe der Zeit entwickelt und perfektioniert haben, gleicht einem Basisreflex: Es liegt in unseren Genen, unserer Intuition zu folgen.

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Der Autor dieses Beitrags, Renaud Beaufils, ist Head of the Project Team, IT France bei CHANEL.

 

Die in diesem Artikel zum Ausdruck gebrachten Meinungen sind jene des Autors und spiegeln nicht zwangsläufig auch die von CleverConnect wider.